I want to be pretty
Mein trauriges, essgestörtes Leben

Tja, nun wirds also Zeit, die eigene Seele zu entblößen & ein bisschen was über mich zu erzählen.
Im Grunde gibt es nichts und gleichzietig wahnsinnig viel aus meiner Vergangenheit zu berichten. In meinem Leben gab es nie irgendwelche großen traumatischen Ereignisse. Ich bin behütet & geliebt bei meinen Eltern aufgewachsen und von außen betrachtet, hätte mich eigentlich nichts aus der Bahn bringen dürfen. Dass es trotzdem geschehen ist, liegt wohl an den vielen kleinen Traumata, die eine heranwachsende Seele arg beuteln und schlussendlich brechen können. Doch diese "Kleinigkeiten" sind nie einem Außenstehenden aufgefallen, sodass alle Welt immer davon ausgeht, dass ich ein völlig gesunder, glücklicher Mensch bin. Doch die Realität sieht leider ganz anders aus. Ich fühle mich total kaputt und ohne wirklichen Halt im Leben.
Und all das fing etwa zu der Zeit an, wo ich in die fünfte Klasse kam.

Bis zu diesem Zeitpunkt war ich ein unbeschwertes, fröhliches Kind ohne wirklichen Sorgen, Ängste oder Nöte. Ich war bei allen beliebt, hatte super Noten und die Welt schien wie für mich gemacht. Zu diesem Zeitpunkt glaubte ich völlig naiv noch, dass die Menschen sich untereinander nur nach ihrem Charakter & Handeln bewerten, und nicht nach ihrem Aussehen. Doch ließ die Realität nicht allzu lange auf sich warten & ich wurde schmerzlicherweise eine besseren belehrt. Denn mein einziges Manko war, dass ich ein bisschen pummelig war. Nie extrem dick, aber eben auch nicht wirklich dünn. Und etwa ab der fünften Klasse hat die Welt angefangen, mich mit vernichtenden Kommentaren mein Aussehen deutlich spüren zu lassen; und ab da war es nie wieder so wie vorher. Ich musste mir gehässige & verletzende Kommentare von allen möglichen Leuten anhören - sei es Eltern, Familie, Klassenkameraden, Bekannte meiner Eltern oder gar völlig fremden Menschen im Supermarkt oder Schwimmbad. Das hat mir völlig den Halt geraubt. Ich habe angefangen, mich total von den Menschen zurückzuiehen & in meiner eigenen Welt der Phantasien & Bücher zu verkapseln, weil ich einfach nicht begreifen konnte & wollte, wie böse & gehässig die Menschen sein können. Das hat sich über Jahre hinweg gezogen: Ich hatte keine Freunde oder Bekannte und war auch in der Schule der totale Einzelgänger, der sich von den anderen Hänseleien gefallen lassen musste. Und die ganze Zeit habe ich versucht, an meinem Problem - sprich meinem Gewicht - etwas zu ändern; aber immer ohne Erfolg. Ich hatte einfach nie das Durchhaltevermögen, auch wenn der Wunsch abzunehmen größer war als alles andere. Aber Essen war mein Freund, Seelentröster & schlimmster Feind zugleich. Ich konnte nie davon lassen, habe bei Frust immer im wahrsten Sinne des Wortes "alles in mich hineingefressen", und mich danach nur noch mehr gehasst & bedauert.

Irgendwann habe ich mich einfach aufgeben, und komischerweise wurde es mit meinem Gewicht & sozialen Kontakten besser: Ich hatte wieder Freunde, ein normales Gewicht & Spaß am Leben. Doch trotzdem blieb dieses Gefühl, dass ich zu fett sei & zu nichts tauge.
Und dieses Gefühl hat mich seitdem nie wieder verlassen. Es behindert mit am Leben & am Glücklich sein, denn selbst wenn du gerade ausgelassen am Lachen bist, ist dieses Gefühl wie ein Virus immer in deinem Hinterkopf & greift ohne Vorankündigung & ohne Erbarmen gnadenlos zu. Später hatte ich auch einen Freund, den ich über alles liebte, der mich ebenso zurück liebte und mir das Gefühl gab, hübsch & attrakt zu sein.

Doch dieses Gefühl des Hässlichfühlens verließ mich auch zu diesem Zeitpunkt des Glücks nicht. Bis ich eines Tages im Internet zufällig auf eine Pro-Ana-Seite stieß & zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl hatte, angekommen zu sein & wertgeschätzt zu werden.
In der Folge nahm ich in kürzester Zeit ca. 8 Kilo ab & mein ganzen Denken & Handeln drehte sich nur noch um Kalorien, BMI & meine gleichgesinnten Bekannten im Internet. Ich war zu keinem Zeitpunkt glücklicher in meinem Leben als ich endlich die langersehnten 55 Kilo auf der Waage unterschritten sah. Sicher fühlte ich mich noch nicht dünn genug und sah in jedem Spiegel meine "Schwachstellen". Aber das Gefühls des "mit sich im Reinen sein" bin ich seitdem nie wieder so nah gekommen.

Ich war glücklich & zufrieden und hatte durch das Abnehmen so viel an Selbstbewusstsein gewonnen, dass ich mich nach 3 Jahren von der inzwischen immer bröckeligeren Beziehung lossagte. Doch verkraftete ich die selbstherbeigeführte Trennung komischerweise nicht, wurde depressiv, konnte mein Essen nicht mehr kontrollieren, fing an übermäßig zu fressen & nahm stetig Kilo für Kilo zu. Es machte mich enorm fertig, doch ich war unfähig, etwas an diesem ZUstand zu ändern. Nachdem ich die vorher verlorenen 8 Kilo wieder auf den Hüften hatte, traute ich mich nicht mehr auf die Waage, doch das änderte nichts am weiteren Zunehmen. Ich platzte fast aus alle Nähten & wog am Ende übergewichtige 77 Kilo.

Inzwischen hatte ich wieder einen neuen Freund, der mich mit meinen Pfunden so liebte, wie es niemand anders gekonnt hätte. Ich fühlte mich geliebt & geborgen, und doch war ich wieder unfähig, an meinem übergewichtigen Zustand etwas zu ändern. So blieb ich etwa 3 Jahre bei diesem Gewicht - 3 lange Jahre, in denen ich kaum sozialen Aktivitäten nachging, mich immer zu Hause verkroch & zwanghaft ohne Erfolg versuchte abzunehmen.

Doch irgendwann besuchte ich wieder Ana-Blogs & erneut machte es Klick in meinem Kopf, und das mit dem Abnehmen klappte ohne Probleme. In der nachfolgenden Zeit nahm ich beachtliche 17 Kilo wieder ab, lernte jemand neues kennen, und trennte mich mal wieder nach 3jähriger Beziehung von meinem zweiten Freund.

Doch obwohl ich den "neuen" so sehr liebe wie noch nie einen Menschen davor, kriselt es zwischen uns ständig. Er hat pathologische Beziehungsangst, ist deswegen auch in Therapie, liest haufenweise Selbsthilfe-Bücher & arbeitet wirklich hart an sich. Doch trotz allem lässt verliert es sich ab & an in seinen Bindungsangst-Phasen & sucht dann ungewollt nach Gründen, wieso unsere Beziehung nicht so toll wäre. Und mein "unideales" Aussehen bietet ihm natürlich den Besten aller Gründe.
Er versucht in diesem Phasen natürlich, es mich nicht spüren zu lassen. Aber natürlich merkt man als Partner sofort, wie der andere drauf ist, und leider rutschen ihm in solchen Phasen dann ungewollt Kommentare bzgl. meines Gewichtes heraus. Das kränkt mich zutiefst & ich fühle mich so verletzt wie nie zuvor im Leben. Doch ich weiß, dass er es nicht mit Absicht macht & darunter genauso leidet wie ich.

Jedenfalls habe ich aus "Frust" wieder angefangen, erneut alles "in mich hineinzufressen", so dass ich schnellstens wieder 3-4 Kilos auf den Hüften hatte. Doch damit kann & werde ich mich nicht abfinden. Ich will kämpfen, ich will abnehmen, und wieder zu meinem damaligen "Halbwegs-Wohlfühlgewicht" von 55 Kilos zurückkehren.
Und dieser Blog soll mir dabei helfen.

Ich propagiere nicht Pro-Ana, denn ich halte es für einen gefährlichen Weg & eine ernstzunehmende Störung. Doch ich schaffe es einfach nicht, auf anderem, "gesunden Weg" abzunehmen. Ich brauch die schnellen Erfolge auf der Waage, sonst nimmt der Frust überhand & ich stopfe wieder alles in mich hinein.
Ich weiß, dass ich krank & kaputt bin, doch diese Welt um mich herum ist es ebenfalls. Deswegen schäme ich mich meiner Störung wegen nicht, sondern versuche, so gut es geht mit ihr auszukommen.

Wer sich absolut nicht mit meinen Abnehm-Methoden identifizieren kann, der soll diesen Blog verlassen. Ich will niemanden zu Ana verführen, aber ich will genauso wenig dafür von anderen kritisiert werden. Leben und leben lassen- sage ich immer, auch wenn dieses Motto schon recht ausgenudelt klingt. Umsomehr würde ich mich aber freuen, Gleichgesinnte zu treffen, denen es in ihrem Leben ähnlich erging & die den gleichen Weg vor sich haben.

18.1.10 15:30


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